Nur einen Steinwurf vom Klosterberg Mont-Saint-Michel entfernt versteckt sich der Château Chantore in einem verwunschenen Landschaftspark. Sowohl das Schloss als auch der Park können besichtigt werden, letzterer auch mit Hund. Eine überraschende Auszeit im Trubel für Zwei- und Vierbeiner.
Welch eine Überraschung: Nur einen Katzensprung vom Mont-Saint-Michel befindet sich diese wahre Oase des Glücks. Ein verträumtes Märchenschloss, das in einen verwunschenen Schlosspark eingebettet ist. Der Château Chantore liegt abseits der großen, herrlichen Sehenswürdigkeit Mont-Saint-Michel, und genau diese leise Abgeschiedenheit macht einen Teil ihres Charmes aus. Der speist sich zum zweiten in dem märchenhaften Ensemble von Schloss und Garten, das Euch geradewegs in einer Zeitkapsel aus dem 21. Jahrhundert iin ein Land vor unserer Zeit katapultiert.
Das Schloss stammt aus dem Jahr 1780 und thront majestätisch über der sanften Hügellandschaft nordöstlich der Bucht des Mont-Saint-Michel. Schon in früheren Zeiten gab es hier ein Schloss am Ufer der Lerre, von dem nur noch wenige Trümmer erhalten sind. Der Schlossherr von Chantore siedelte sein neues Domizil hoch auf der Anhöhe an, um den Mont-Saint-Michel zu bewundern. Der Park war zunächst landwirtschaftlich geprägt. In seiner heutigen Form wurde er von Auguste-François Angot, einem Abgeordneten aus Avranches, ersonnen, der das Anwesen 1813 von der Witwe Ernault de Chantore erstand. Heute ist der Park des Château Chantore als Jardin Remarquable (bemerkenswerter Garten) ausgezeichnet und in die Liste der historischen Denkmäler in Frankreich aufgenommen.
Rund 200 Jahre gehörten Schloss und Park zu den gut gehüteten Geheimnissen in der Manche, mehrfach wechselte die Liegenschaft den Besitzer, bis das Kleinod 2015 von Bernard Legal et Inaki de Goiburu gekauft und aus dem Dornröschenschlaf geweckt wurde. Sie renovierten das Schloss und schufen ein Chambres d'Hôtes sowie ein Gîte. Anhand alter Pläne rekonstruierten sie den Park und machten ihn 2018 wieder der Öffentlichkeit zugänglich.
Der typische Park aus dem 19. Jahrhundert zeichnet sich durch ein friedliches Hügelland aus, die Ausblicke auf die weite Umgebung ermöglicht, sowie durch gewundene und verschlungene Wege. Die Reise in dem 19 Hektar großen Park führt Euch durch uralte Bäume, zauberhafte Laub- und Mischwälder, Rhododendron-, Hortensien- und Kamelienbeete. Ihr streift durch Bambusdschungel und entlang eines Flusslaufs, der in 14 kleinen Wasserfällen das Tal erschließt. Ihr könnt an den Seen verweilen, über verwunschene Brücken auf kleine Inseln gelangen, uralte Bäume im Arboretum bewundern.
Und es ist still! Keine Menschenmassen drängeln sich durch die Wälder oder aalen sich am See, in dem sich das Schloss widerspiegelt. Pfauen streifen durch den Garten, Schwäne bevölkern die Teiche, mit etwas Glück könnt Ihr am Bachlauf einen Eisvogel erspähen. Der Garten des Château Chantore ist ein perfektes kleines Paradies. Alltag und Hektik endet vor den Schlosstoren.
Beinahe wäre es mit dem kleinen Paradies übrigens vorbei gewesen: ein industrieller Hühnermastbetrieb wollte sich direkt vis-a-vis ansiedeln. Eine Online-Petition und nicht zuletzt ein Gerichtsbeschluss, der die erteilte Baugenehmigung aufhob, verhinderten dies. Was ein Glück!
Neben dem Park könnt Ihr auch die Cidrerie, Stallungen und die Orangerie bewundern. Es gibt zwei Wege durch den Park, einen langen, der praktisch einmal außen rum führt. Hier kann es im Wald auch mal feucht werden, es geht bergauf und bergab. Zusätzlich gibt es einen Weg für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, der kürzer und leichter begehbar ist. Ich habe für den langen Weg, inklusive Fotos und Vormichhinträumen, zweieinhalb Stunden gebraucht, hätte aber auch, ohne mich zu langweilen, den ganzen Nachmittag im Park zubringen können. Die reine Wegstrecke ist in gut einer Stunde zu bewerkstelligen.
Beide Wege sind mit Pfeilen beschildert, zusätzlich erhaltet Ihr an der Rezeption einen Plan, mit dem Ihr Euch auf dem Gelände orientieren könnt.
Den Park könnt Ihr gemeinsam mit Hund besuchen. Bitte leint Eure Tiere an und räumt den Hundekot weg, damit dies auch künftig möglich ist (es gibt keine Kotbeutel, bitte in ausreichender Zahl
mitbringen). Bei der Schlossbesichtigung sind keine Hunde zugelassen!
Öffnungszeiten: Im April ist der Park am Wochenende von 14.30 bis 18.30 Uhr geöffnet, von Mai bis September täglich von 14.30 Uhr bis 18.30 Uhr. Die geführten Schlossbesichtigungen finden im Juli
und August um 15 Uhr statt. Eintrittspreise (2024): Erwachsene zahlen für den Park 8 Euro Eintritt, für Schloss und Park 11 Euro. Kinder bezahlen keinen Eintritt. Vergünstigter
Eintritt zu den Tagen des Europäischen Kulturerbes im September.
Außerhalb der Öffnungszeiten ist der Park für Gruppen nach Reservierung zugänglich.
Es gibt rechter Hand vom Schloss einen kleinen (und schattigen) Besucherparkplatz. Die Ausfahrt ist etwas holprig und (sehr!) eng.
Ihr könnt auf Château Chantore auch in fünf Zimmer und einem Gîte übernachten – leider (aber verständlich) nur ohne Hund.
Infos zu Schloss und Park: https://www.chateaudechantore.com
Werbung, unbezahlt und unverlangt, dafür mit voller Überzeugung!
Ich habe den Château Chantore im Juli 2024 besucht und den Eintritt selbst bezahlt.
Der Artikel wurde im September 2024 erstmal veröffentlicht. Stand August 2024.
Fotos und Text sind mein Eigentum und dürfen nicht ohne meine schriftliche Einwilligung verwendet werden.